Die Gabe von Fluorid zur Vorbeugung von Zahnkaries gehört zu den umstritteneren Gesundheitsthemen, unter anderem auch, weil Fluorid abgesehen von der Verbesserung der Säurebeständigkeit des Zahnschmelzes im Körper nicht benötigt wird und andererseits in höheren Dosen giftig wirkt.

Der positive Effekt hinsichtlich Kariesprävention selbst ist in Fluoridmangelsituationen (Grund- und Trinkwasser - das Wiener Leitungswasser enthält mit <0,2mg/l sehr wenig Fluorid) unumstritten. Einigermassen unterscheiden sich  allerdings die Empfehlungen zur Verabreichungen zwischen Ländern und Fachgesellschaften (Kinder- vs Zahnheilkunde), und es gibt auch aus Studien keine endgültigen Aussagen, welche Verabreichungsform die bessere ist:

 

  • Für die topische Verabreichung (= Kinderzahnpaste) in kleinen Mengen ab dem Zahndurchbruch) spricht die hohe Konzentration direkt auf dem Zahnschmelz. Dagegen die Ungenauigkeit bei der Dosierung (aufgetragene Menge, verschluckte Menge).

 

  • Für die systemische Verabreichung (= Fluoridtabletten) spricht die exakte Dosierung. Die Wirkung erfolgt hauptsächlich über den erhöhten Fluoridgehalt des Speichels, dieser ist zwar länger anhaltend aber nicht so hoch wie bei topischer Verabreichung.

Abb. oben: "Strich" ab Zahndurchbruch

unten: "Erbse" ab 2 Jahren

Mein persönliche Empfehlung:

  • Fluorid 0,25mg Tabletten ab Zahndurchbruch, lutschen lassen, nicht zum sofortigen Schlucken animieren
nicht, wenn:
Wasser >0,3mg/l
fluoridiertes Salz verwendet wird
fluoridhältige Milchfertignahrung, Spezialnahrung gegeben wird
  • im Alter von 2-4 Jahren Wechsel auf Zahnpasta 500ppm ("Kinderzahnpasta") - erbsengroße Menge
  • im Alter von 4-6 Jahren Zahnpasta mit 1000ppm ("Erwachsenenzahnpasta" - muss verlässlich ausgespuckt und gespült werden
  • ab dem Alter von 3 Jahren zahnärztliche Applikation von Fluorlack 2x/J
  • ab Schulalter zusätzlich Applikation von Spüllösungen, Gels